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Beiträge zu 'ZFF'

12. Zurich Film Festival – 2

02 Okt

La delgada línea amarilla („The Thin Yellow Line“): Toño hat die Wirtschaftskrise in Mexiko hart getroffen: Ohne Job kämpft der ehemalige Vorarbeiter einer Strassenbaufirma ums Überleben. Eines Tages trifft er einen ehemalige Chef und dieser bietet ihm einen Job an. Toño soll innerhalb von 15 Tagen – bevor der grosse Regen kommt – 217 Kilometer Landstrasse mit einer gelben Mittellinie versehen. Dazu stehen ihm 4 Arbeiter zur Verfügung, die unterschiedlicher nicht sein können: Ein ehemaliger Lastwagenfahrer (der jetzt halb blind ist), ein Zirkusarbeiter, ein Herumstreicher und ein Teenager, der von zu Hause fort gegangen ist. Es entwickelt sich ein ungewöhnlicher Roadmovie mit vielen interessanten, überraschenden und nachdenklichen Elementen.
Es war sehr angenehm einen Film zu sehen, der zwar in Mexiko spielt, aber keine Elemente des „Standard Mexiko Films“ (Drogen, Prostitution, Waffen, die Grenze zu den USA, …) enthält.
Nach der Vorführung war der Produzent Alejandro Springall anwesend und hat sich von einer eher unerfahrenen Moderatorin interviewen lassen, aber trotzdem ein paar spannende Details vom Dreh verraten.

Alejandro Springall am 12. Zurich Film Festival 2016

4 von 5 Punkten.

Imperium: Die meist jungen Fans des zur Gala Premiere anwesenden Hauptdarstellers Daniel „Harry Potter“ Radcliffe haben den Start des Films um etwa 45 Minuten verzögert. Dann hat Steven Gätjen die obligatorischen Eröffnungsfragen an ihn und Regisseur Daniel Ragussis gestellt und die üblichen – eher einstudiert wirkenden – Standardantworten bekommen. Im Film selbst geht es um die Einschleusung eines verdeckten Ermittlers in US-amerikanische rechtsextreme Kreise um die Detonation einer schmutzigen Bombe in Washington D.C. zu verhindern. Radcliffe wird aufgrund seiner Vergangenheit als Marine, der im Irak zur Massenvernichtungswaffen-Sucheinheit gehörte, von vielen unterschiedlichen rechten Gruppen umworben. So erhält der Zuseher Einblick in die Szene der brutalen – aber etwas dümmlichen – rechten Schläger, des religiösen Ku-Klux-Klan sowie der organisierten White Power Bewegung.
Das Ende war etwas vorhersehbar, aber abgesehen davon zeigt der Film sehr realitätsnah wie das Leben eines Undercover Agenten aussieht.

Daniel Radcliffe am 12. Zurich Film Festival 2016

4 von 5 Punkten.

Salt and Fire: Eine Wissenschaftlerin – Veronica Ferres – bekommt von der UN den Auftrag das Diablo Blanco Disaster vor Ort in Südamerika zu untersuchen und einen Bericht zu schreiben. Der reuige CEO der für das Disaster verantwortlichen Firma möchte ihr das Problem auf seine eigene Art und Weise vermitteln, entführt die wissenschaftliche Deligation und zwingt die Hauptdarstellerin eine Woche auf einer „Insel“ in der Salzwüste mit seinen zwei fast blinden Söhnen im Kindesalter zu verbringen. Klingt seltsam? Ist auch so.
Der ganze Film wirkt so als ob die Filmmacher sich einen Bolivienurlaub über die Filmförderung finanziert hätten: Sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch grottenschlechte Dialoge und eine Story mit mehr losen Enden und ungeklärten Motivationen als so mancher B-Movie. Das einzige wofür sich das Ansehen dieses Films lohnt sind die Naturaufnahmen der Salar de Uyuni, aber auch da gibt es vermutlich bessere Wege um sich diese zu Gemüte zu führen.
Schade, dass im Anschluss niemand von der Filmcrew anwesend war um sich zu rechtfertigen.

0 von 5 Punkten.

Hell or High Water: Die Brüder Tanner und Toby Howard überfallen kleine Banken in Texas um die Hypothek der Farm ihrer verstorbenen Mutter abbezahlen zu können bevor das Land an die Bank überschrieben wird. Der sich kurz vor dem Ruhestand befindliche Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner heften sich an an die Fersen. Das Spezielle an diesem Western ist, dass er in der Jetztzeit spielt und es dem Regisseur David Mackenzie trotzdem vortrefflich gelingt die klassischen Elemente eines Westerns einzubauen ohne, dass der Film „aufgesetzt“ und künstlich wirkt.
Auch hier war leider kein Mitglied der Filmcrew im Anschluss anwesend.

4 von 5 Punkten.

Stille Reserven: Wien in nicht allzuferner Zukunft: Totale Überwachung der Bevölkerung und der Abschluss von Todesversicherungen sind Usus. Eine solche Versicherung schützt davor im Todesfall in die „Geriatrie“ zu kommen, wo menschliche Körper in einem vegetativen Zustand gehalten werden um als Leihmutter, Datenspeicher oder Organspender verwendet zu werden. Eine Gruppe von Rebellen stellt sich gegen den mächtigen Versicherungskonzern und versucht die Geriatrie-Anlage durch Sabotage zu zerstören und den „verstorbenen“ ihr Recht auf den eigenen Tod zurückzugeben.
Im Anschluss leider ohne Anwesenheit von Regisseur, Schauspielern oder Produzenten. Der Film hat den Wettbewerb „Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich“ des 12. Zurich Film Festivals gewonnen.

3 von 5 Punkten.

 
 

12. Zurich Film Festival – 1

28 Sep

So wie auch in den letzten Jahren haben wir uns wieder Tickets für 10 Filme des diesjährigen Zurich Film Festival geholt.

Do Not Resist ist eine Dokumentation über die jüngsten Unruhen in den USA, die in Ferguson ihren Anfang gefunden haben. Der Regisseur Craig Atkinson schneidet in dem Film sehr viele unterschiedliche verwandte Themen an (Militarisierung der Polizei, Drogen, Rassenunterschiede in den USA, Armut, Überwachungsstaat, …), bearbeitet aber keines der Themen ausführlich. Durch das Fehlen eines roten Fadens und eines Sprechers aus dem Off hat man als Zuseher  ziemlich schnell das Gefühl eine Aneinanderreihung von Fernsehnachrichtenschnipseln zu sehen.
Leider war nach dem Film kein Mitglied der Crew anwesend.

2 von 5 Punkten.

Heli: Der Hauptcharakter Heli lebt in Mexiko mit seiner Familie und versucht möglichst allen potentiellen mexikanischen Problemen (Drogen, Banden, Waffen, Prostitution) aus dem Weg zu gehen. Als der Liebhaber seiner Schwester zwei Päckchen Heroin auf dem Dach des Hauses der Familie zwischenlagert, beginnt die mexikanische Realität ihn einzuholen. Korrupte Agenten töten seinen Vater und verschleppen Heli und seine Schwester. Es kommt zu ziemlich expliziten, detaillierten und langatmigen Folterszenen, die so authentisch sind, dass einem beim Zusehen mehrmals der Gedanke kommt aufzustehen und den Kinisaal zu verlassen.
Auch bei diesem Film gab es nach der Vorstellung keine Q&A Session.

2 von 5 Punkten.

Trespass Against Us beruht auf der wahren Geschichte des Tinkers Chad Cutler, der mit seiner Familie und anderen Fahrenden in England lebt und immer mal wieder mit Gesetz und Polizei in Konflikt kommt. Es ist die Geschichte dreier Generationen inklusive allen Konflikten, die es zwischen Grossvater, Vater und Sohn geben kann. Die Bildsprache ist hastig und schnell, der Regisseur Adam Smith ist auch für die – grossartigen – Liveshows von The Chemical Brothers verantwortlich.
Nach dem Film war Adam Smith vor Ort und hat viele interessante Fragen aus dem Publikum beantwortet und vom Dreh und dem „echten“ Chad Cutler erzählt.

Adam Smith am 12. Zurich Film Festival 2016

4 von 5 Punkten.

600 milas: Ein weiterer Film aus dem Schwerpunkt Neue Welt Sicht: Mexiko. Arnulfo ist Mexikaner, sein Job ist es Waffen in den USA legal zu kaufen und für seinen Onkel über die Grenze nach Mexiko zu schmuggeln. Eines Tages kommt ihm der ATF Agent Hank Harris auf die Schliche. Nach einer harten Konfrontation gelingt es Arnulfo den Agenten als Geisel zu nehmen und nach Mexiko zu verschleppen. Viel weiter hat der junge Mexikaner allerdings nicht gedacht und so weiss er nicht so recht was nun mit Hank geschehen soll. Es entwickelt sich eine spannende Beziehung zwischen den beiden, die sich eigentlich verabscheuen, aber doch aufeinander angewiesen sind.
Im Anschluss war kein Mitglied des Filmteams anwesend. Schade.

2 von 5 Punkten.

American Pastoral: Zur Schweizer Galapremiere des Films waren der Hauptdarsteller Ewan McGregor und Nebendarstellerin Jennifer Connelly anwesend und haben sich vor dem Film einigen Fragen von Moderator Steven Gätjen gestellt.
Seymour ‚Swede‘ Levov führt eine Firma zur Herstellung von Lederhandschuhen in den USA der siebziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Seine Welt wird auf den Kopf gestellt, als seine Tochter Merry sich der Kleinstadtfamilienidylle immer mehr entzieht und beginnt sich – immer radikaler – gegen den Vietnam Krieg zu engagieren. Als sie eines Tages unter Verdacht gerät ein Bombenattentat ausgeführt zu haben, taucht Merry unter und für ihren Vater beginnt eine jahrelange immer verzweifelter werdende Suche nach seiner eigenen Tochter.

Steven Gätjen, Jennifer Connelli und Ewan McGregor am 12. Zurich Film Festival 2016

4 von 5 Punkten.

 
 

11. Zurich Film Festival – 3

05 Okt

The Russian Woodpecker: Der Ukrainer Fedor Alexandrovich hat die Theorie, dass das Atomkraftwerk Tschernobyl vom Zentralkomitee der UdSSR absichtlich in die Luft gejagt wurde um den Fehlschlag eines militärischen Radarprojekts zu vertuschen. Teils recht wirr wird der Zuseher durch einzelne Stationen der jüngeren ukrainischen Geschichte geführt und – meiner Meinung nach – einige voreilige und nicht wirklich auf Fakten basierte Aussagen gemacht. Siehe auch: Verschwörungstheorie.
Im Anschluss war Fedor Alexandrovich anwesend und hat in seiner konfusen Art einige Fragen beantwortet. Wobei ich das Gefühl hatte, dass er wegen der Sprachbarriere nicht immer das ausdrücken konnte, was er tatsächlich zum Ausdruck bringen wollte.

Fedor Alexandrovich am 11. Zurich Film Festival

1 von 5 Punkten.

The Man Who Knew Infinity: Der äusserst begabte indischer Mathematiker Srinivasa Ramanujan wird in der Zeit des ersten Weltkriegs an das Cambridge Trinity College eingeladen um dort seine Forschung voranzutreiben und zu publizieren. Dort entwickelt sich ein Konflikt zwischen der „intuitiven“ Mathematik  Ramanujans und seinem Mentor (Jeremy Irons), der auf formale Beweise besteht um sich vor der Fachwelt keine Blösse zu geben. Zusätzlich wird die Geschichte durch die Probleme eines Inders in der englischen Gesellschaft der damaligen Zeit und Ramanujans Beziehung zu seiner in Indien verbliebenen Frau angereichert.

3 von 5 Punkten.

Chaebols und Chabolas ist eine Dokumentation über das Streben nach Arbeit. Es wird Spanien mit einer Arbeitslosenrate von 22% mit Südkorea verglichen, das es innerhalb von zwei Generationen vom Dritte-Welt-Land in die G20 geschafft hat. Der Film beleuchtet sowohl die Macro-Perspektive aus (Volks-)wirtschaftlicher Sicht als auch konkrete Schicksale einzelner Einwohner der beiden Länder.
Ich persönlich finde die Stimme des Erzählers aus dem Off ist von der Stimmlage her und der Betonung für eine Dokumentation eher ungeeignet.
Vor dem Film war der Regisseur Christian Neu anwesend und hat einige spannende Dinge zu dem Film erzählt. Unter anderem was Chaebols in Südkorea sind und was man in Spanien unter Chabolas versteht.

Christian Neu am 11. Zurich Film Festival

4 von 5 Punkten.

 
 

11. Zurich Film Festival – 2

03 Okt

Gruber geht: Gruber (Manuel Rubey) ist ein sarkastisches Werbeagentur-Arschloch, wie es im Buche steht. Als er die Diagnose Krebs bekommt, ändert sich sein Verhalten vorerst nicht. Erst nach und nach realisiert er, dass man sich Familie, Freunden und der Liebe gegenüber auch öffnen und Beistand in Anspruch nehmen kann. Ein Film über das Einsam-Sein nach einem Roman von Doris Knecht.
Leider ohne anschliessende Anwesendheit eines Filmcrewmitglieds. Ein Extrapunkt für den Wiener-Dialekt, der viel Heimatgefühl erzeugt hat.

3.5 von 5 Punkten.

Becks letzter Sommer: Der ehemalige Punkrockstar Robert Beck (Christian Ulmen) schlägt sich als unzufriedener Musiklehrer an einem Berliner Gymnasium durchs Leben. Als er das musikalische Talent eines seiner Schüler entdeckt, beschliesst er diesen zu fördern und ihm einen Plattenvertrag zu besorgen. Dazu kommen unterschiedlichste „normale“ und absurde Nebenhandlungen, in die Beck verstrickt ist.
Der Film versucht meiner Meinung nach zu viel auf einmal zu sein (Komödie, Kleingangsterfilm, Roadmovie,  Coming of Age Film, …) und ist dadurch keines davon zufriedenstellend.
Anschliessend erzählte der anwesende Regisseur Frieder Wittich ein paar sehr lustige und interessante Anekdoten vom Dreh und stand für Fragen bereit.

Frieder Wittich am 11. Zurich Film Festival

4.5 von 5 Punkten.

Chung fung che: Vier Kleingangster wollen als Polizisten verkleidet einen Leichentransport anhalten, in dem illegal Geld transportiert wird. Allerdings haben vier andere Gangster exakt die gleiche Idee, verfügen aber über echte Waffen. Daraus ergibt sich eine Aktionkomödie mit vielen Verwechslungen, Slapstick und Absurditäten. Anfangs war das Verfolgen der Untertitel recht schwierig, weil vor allem zu Beginn viel Dialog für das Verstehen der Story notwendig war.

3.5 von 5 Punkten.

 
 

11. Zurich Film Festival – 1

27 Sep

The Bright Day: Eine Iranerin muss innerhalb eines Nachmittags Zeugen eines Unfalls mit Todesfolge dazu überreden vor Gericht auszusagen. Diese sträuben sich aus verschiedenen Gründen und der Regisseur Hossein Shahabi schafft es ein – soweit ich es beurteilen kann – sehr authentisches Bild der iranischen Justiz und der Zivilbevölkerung zu zeichnen. Der Film ist sehr Dialoglastig und man kommt teilweise kaum nach die Untertitel zu lesen. Meiner Meinung nach haben die beiden Hauptdarsteller eine aussergewöhnliche Schauspielleistung vollbracht.
Leider gab es im Anschluss keine Frage&Antwort Session mit einem Beteiligten der Filmcrew.

4 von 5 Punkten.

Krigen: Ein dänischer Militärkommandant wird im Zuge des Kriegs in Afghanistan dazu gezwungen eine unmögliche Entscheidung zu treffen. Er entscheidet sich für die ihm unterstellten Soldaten und muss vor einem Militärgericht in Dänemark die Konsequenzen tragen. Nebenbei zeigt der Regisseur Tobias Lindholm den Wahnsinn des asymetrischen Krieges. Und zwar sowohl aus Sicht der Soldaten, die hinter jedem afghanischem Zivilisten einen Taliban vermuten (müssen) als auch aus Sicht der Familie des Kommandanten, die in Dänemark im Ungewissen auf seine Rückkehr wartet.
Tobias Lindholm hatte auch 2012 einen Film mit einem sehr ähnlichen Thema am Zurich Film Festival im Programm.

3.5 von 5 Punkten.

Regression: Minnesota, 1990: Angela Gray (gespielt von Emma Watson) beschuldigt ihren Vater des sexuellen Missbrauchs, aber dieser kann sich an nichts erinnern. Mittels Hypnosetherapie findet der Ermittler Bruce Kenner (gespielt von Ethan Hawk) heraus, dass eine satanistische Sekte ihr Unwesen in der Stadt treibt und scheinbar (fast) jeder Bürger der Stadt unwissentlich Mitglied dieser ist. Am Ende gibt es einen interessanten Twist, aber leider (obwohl ich dem Setting – Kleinstadt, Polizeiarbeit, ein wenig Horror – nicht abgeneigt bin) sprang der Funke nicht wirklich auf mich über.
Vorher war der Regisseur Alejandro Amenábar anwesend und hat ein paar Worte über den Film verloren. Leider gab es auch hier keine Frage&Antwort Session am Ende.

Alejandro Amenábar am 11. Zurich Film Festival

2 von 5 Punkten.

Die dunkle Seite des Mondes: Urs Blank (Moritz Bleibtreu) ist erfolgreicher Anwalt mit Spezialisierung auf Firmenfusionen. Als er die „Hippy Braut“ Lucille (Nora von Waldstätten) kennenlernt und sie gemeinsam Magic Mushrooms zu sich nehmen ändert sich sein Leben und seine Psyche. Bei dem Versuch aus dem anhaltenden Horrortrip wieder herauszukommen gerät er immer tiefer in (s)eine Welt aus Fantasie und verquerter Realität.
Nachdem die Vorstellung die Weltpremiere des Films darstellte, war (fast) die komplette Filmcrew inklusive dem Schweizer Autor Martin Suter, dessen Buch als Vorlage für den Film dient,  anwesend und Steven Gätjen hat nach der Vorstellung einige Fragen gestellt. Die meisten Antworten waren aber eher langweilig und ohne Pepp, wurden aber trotzdem vom Publikum meist mit tosendem Applaus bedacht.

Galapremiere 'Die dunkle Seite des Mondes' am 11. Zurich Film Festival

Galapremiere 'Die dunkle Seite des Mondes' am 11. Zurich Film Festival

3 von 5 Punkten.

 
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11. Zurich Film Festival – ZFF Talks

27 Sep

Auch dieses Jahr habe ich mir einen der kostenlosen ZFF Talks im Festivalzentrum am Sechseläuten-Platz angesehen.

Profession: Stuntman: Der Moderator von UPC startet seine Anmoderation und mitteldrin steht Manuel Schweizer aus der ersten Reihe auf und die beiden beginnen sich um das Mikrofon zu streiten. Nach etwa 40 Sekunden greift der Moderator zu einer Vase und drischt sie dem Stuntman auf den Kopf, dieser bricht zusammen und das Publikum ist erstmal baff. Dann Applaus. Ein gelungenes Intro zu einem ZFF Talk über die Profession Stuntman.

Manuel Schweizer am 11. Zurich Film Festival

Manuel Schweizer am 11. Zurich Film Festival

In weiterer Folge erzählt Manuel Schweizer über seinen Werdegang als Stuntman, zeigt einige Videos von Stunts, erläutert wie ein Stunt vorbereitet wird und dass auch die Spezialeffekte wie Explosionen oder Rauch meistens vom Stuntteam erledigt werden. Danach gab es eine kurze Live-Demonstration mit Freiwilligen aus dem Publikum wie man mittels Kamerawinkel und -position eine Ohrfeige möglichst realistisch für den Zuseher inszenieren kann (und natürlich so, dass der Stuntman nicht wirklich getroffen wird). Zum Abschluss gab es eine Fragerunde mit einigen interessanten Antworten.

4 von 5 Punkten.

 
 

Bald ist es wieder soweit …

16 Sep

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10. Zurich Film Festival – ZFF Talks

11 Okt

Dieses Jahr habe ich es aus zeitlichen Gründen leider nur zu einem ZFF Talk geschafft:

Casting: die richtige Besetzung finden: Corinna Glaus ist eine der drei wichtigen Casterinnen im Schweizer (Film)Raum und spricht in ihrem ZFF Talk über die Wichtigkeit des Castings und welche Methoden es gibt der Regie den „richtigen“ Schauspieler für die entsprechende Rolle im Drehbuch vorzuschlagen. Leider war ihr Vortrag etwas konfus, sie hat oft ihren eigenen roten Faden verloren und ist in ihrer Präsentation vor und zurückgesprungen. Bezeichnet dafür war auch, dass sie das eigentliche Herzstück und Highlight ihres Vortrags – hochinteressante Castingaufnahmen für eine Rolle im Schweizer Tatort – erst am Ende nach ihrem Schlusswort gezeigt hat. Sie hatte davor einfach darauf vergessen.
Nach dem eigentlichen Talk gab es eine aufschlussreiche Frage und Antwort Session, in der sich Corinna Glaus dann sichtlich wohler gefühlt hat als während ihrer Präsentation.

3 von 5 Punkten.

 
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10. Zurich Film Festival – 3

08 Okt

The Rise and Rise of Bitcoin: Die Dokumentation erzählt die Geschichte der virtuellen Währung Bitcoin von ihren Anfängen, dem Mysterium Satoshi Nakamoto, bis hin zu aktuellen Ereignissen wie dem Zusammenbruch von Mt.Gox oder den Geschehnissen rund um Charlie Shrem. Der Film wird anhand der Geschichte von Daniel Mross, einem Bitcoin Enthusiasten der ersten Stunde, erzählt und erklärt das ökonimische Konzept einer „freien“ nicht durch zentrale Stellen regulierbaren Währung auf anschauliche Art und Weise. Der Film geht nicht auf technische Details („wie funktioniert das Minen genau?“, „Was passiert beim Verification-Prozess?“, …) ein und hat so das Potential ein breite(re)s Publikum zu erreichen.
Am Ende gab es mangels Moderation und Anwesenheit eines Filmcrew-Mitglieds keine interessante Diskussion.

4 von 5 Punkten.

Showrunners widmet sich dem Lüften der Geheimnisse um die Produktion einer TV-Serie. Ein Showrunner ist für die Leitung einer TV-Serie verantwortlich. Der Film führt anhand von Interviews von vielen (wenig bekannte) Showrunnern von (sehr bekannten) Fernsehserien durch die einzelnen Stufen der Produktion einer Fernsehserie: J.J. Abrams (Lost, Fringe, …), Joss Whedon (Buffy the Vampire Slayer, Angel, Dollhouse, Firefly, …), … Sie alle plaudern aus dem Nähkästchen und geben fast alle eine identische Grundaussage: „Ich habe den besten Job der Welt“ und gleichzeitig „Es ist der härteste Job der Welt, ich würde ihn niemandem empfehlen“.
Im Anschluss gab es eine spannende Frage und Antwort Session mit dem Regisseur Des Doyle.

4 von 5 Punkten.

By the Gun: Ein Mafiafilm nach Schema F. Der Regisseur lässt kein einziges Mafiafilm-Cliché aus: Der Mafiaboss, der ein Puff betreibt; der ältere Bruder, der nicht möchte, dass sein junger Bruder Teil der Organisation wird sondern lieber ins College geht; der von seinem Vater verstossene Sohn, der in der Mafia eine neue Familie sucht; die Tochter des Mafia-Boss, die sich in ein Mitglied eines anderen Mafiaclans verliebt; … Der Film ist sehr eindimensional, langweilig, ohne Plottwists und das Ende ist zu 100 Prozent vorhersehbar. Nicht einmal die Action-Szenen machen den Film interessant.
Im Anschluss gab es keine Frage und Antwort Session.

1 von 5 Punkten.

The Equalizer: Ein durch die Fingierung seines eigenen Todes aus dem CIA ausgetretener Agent muss noch einmal in den Kampf ziehen, als eine junge Frau, zu der er ein Vater-Töchterliches Verhältnis pflegt, von ihrem Zuhälter verprügelt wird. Leider tötet der Agent dabei die 5 wichtigsten Personen der an der amerikanischen Ostküste tätigen russischen Mafia. Die lässt das natürlich nicht auf sich sitzen und daher entwickelt sich ein Actionfilm der Marke einer-gegen-alle mit viel Blut und Schiessereien. Klingt eindimensional, wird aber durch einen hervorragend spielenden Denzel Washington und den sehr langsamen bewussten Szenen zwischen den Action-Momenten aus der Mittelmässigkeit gehoben.

3.5 von 5 Punkten.

 
 

10. Zurich Film Festival – 2

04 Okt

Vonarstræti: Der Film erzählt die Geschichte dreier Menschen aus Reykjavík, deren Lebenswege sich kreuzen und beeinflussen. Jeder von ihnen hat seine eigenen Probleme, die doch mit den Problemen der Mitprotagonisten zusammenhängen. Der Regisseur schafft es erschreckend gut den Zuseher in den Bann zu ziehen und ihn eine Empathie für die 3 Hauptdarsteller entwickeln zu lassen. Der Film wurde auf isländisch mit Untertiteln gezeigt und ich glaube, dass man den Film nur sehr schwer in eine andere Sprache synchronisieren kann. Zu viel würde durch den Wegfall der isländischen Sprache verloren gehen.
Leider war im Anschluss kein Mitglied der Filmcrew anwesend.

5 von 5 Punkten.

Fandry: „Fandry“ heisst auf Marathi „Schwein“. Die Dalits – das ist die unterste Kaste der indischen Gesellschaft – werden vom Dorf nur für das Entfernen der unreinen Wildschweine aus der Dorfumgebung geduldet. Denn wer ein Schwein berührt wird selbst unrein. Jabya, ein junger Dalit, verliebt sich in ein Mädchen einer höheren Kaste. Was sich nun wie die Anbahnung einer romantischen Liebesgeschichte mit Happy End anhört, entwickelt sich zu einer einseitigen (das Mädchen hat nicht mehr als 3 Sätze während des ganzen Films gesprochen) Stalker-Geschichte. Der grösste Teil des Films besteht aus Filmmaterial der Jagd auf eine schwarze Schwalbe (deren Federn eine wichtige Zutat für einen Liebestrunk sind) und der – absurd langwierigen – Verjagung von (nur durchschnittlich Computer-generierten animierten) Wildschweinen aus dem Dorf.
Einzig durch die Darstellung der indischen ländlichen Armut (im Gegensatz zu I.D.) hat den Fim für mich Allgemeinbildungswert.

2 von 5 Punkten.

Nightcrawler: Jake Gyllenhaal konnte leider nicht persönlich anwesend sein, stattdessen hat er einen Videogruss via Kinoleinwand übermitteln lassen.
„Nightcrawler“ protraitiert die Geschichte eines arbeitslosen Bewohners von Los Angeles, der durch Zufall erfährt wie viel Geld sich über das Filmen von Unfällen und den Folgen von Verbrechen machen lässt. Er besorgt sich eine Videokamera und beginnt gefilmtes Material an eine News-Anstalt zu verkaufen. Mit der Zeit wird sein Equipment professioneller und seine Methoden perfider: Er arrangiert Unfallopfer so, dass seine Fotos noch sensationeller und angsteinflössender sind. Als er eines Tages ein Verbrechen „live“ erlebt ohne einzuschreiten oder es zu verhindern, hat er die Grenze überschritten und es kommt zu einem grossartigen Finale.
Im Anschluss war Rene Russo, die den Kontakt in der News-Anstalt spielt, und ihr Mann Dan Gilroy, der Regisseur des Films, answesend und haben ein paar eher lustlose Fragen der Moderatorin beantwortet.

5 von 5 Punkten.

Soodhu Kavvum: Vier zufällig zusammengewürfelte Südinder steigen in das Kidnapping-Business ein. Der Film ist als Komödie ausgelegt und dementsprechend gibt es viele Slapstickeinlagen und – wohl für das indische Kino typische, aber den europäischen Cineasten ungewohnte – extrem übertriebene Szenen: Superzeitlupe, mehrere Musikvideo-artige Einlagen mit einer Mischung aus Bollywood Tanz und amerikanischem Rap-Video (siehe Youtube) und extrem überzeichnete Charaktere. Gegen Ende entwickelt sich der Film mehr zu einer Action-Komödie mit gefühlten 100 lustigen und absurden Plottwists.
Wenn man sich auf diese Art des Kinos einlassen kann, dann wird man mit einer Mischung aus WTF und LOL zufrieden nach Hause gehen.
Der Film ist übrigens komplett und in HD auf Youtube verfügbar.

4 von 5 Punkten.